Glory to Mankind, Religion und Krieg – Was DOOM und NieR: Automata uns über ein englisches Lehnwort verraten

Glory! Kurios, wie ein Wort, das gewöhnlich am ehesten in anglikanischen Gottesdiensten und im amerikanischen Geschichtsunterricht zu hören ist, gerade Videospielern dann wohl doch öfter begegnet. Death or Glory von Wise Owl Software brachte den Begriff zum ersten Mal 1987 auf eine Videospielverpackung, auch wenn Sierras Adventurespielreihe Quest for Glory, deren zweiter Teil 1990 den Seriennamen prägte, vielen Spielern heute eher ein Begriff sein dürfte. Die eifrige Nutzung in Videospielen zieht sich dabei bis heute: seit 2016 prügelt sich der DOOM Marine wieder mit sogenannten Glory Kills durch Dämonenhorden, und Yoko Taros in Verbund mit Platinum Games entwickeltes NieR: Automata prägte 2017 wie keine andere Phrase den Satz Glory to Mankind.

"Glory to Mankind". NieR: Automata, Square Enix.
„Glory to Mankind“. NieR: Automata, Square Enix.

Am Ursprung stehen die Römer

Dass glory von ‚gloria‘, also aus dem Lateinischen kommt, ist klar. ‚Gloria‘ bedeutet „Ruhm, Ehre“, vor allem der Ahnen (‚posteritatis‘) und in Kriegssachen, etwa von Generälen (‚belli‘ oder ‚in re militari‘)1. Mit Annahme der christlichen Religion im Römischen Reich übertrug sich ‚gloria‘ ebenso auf religiöse Kontexte, die uns bis heute wohl am stärksten prägen, etwa durch Liedtexte wie Gloria in excelsis deo. Es lässt sich vermuten, dass die außerreligiösen Bedeutung von ‚gloria‘ mit der Zeit an Bedeutung verloren. Das lässt sich aber nur schwer feststellen, was sich vor allem mit der die Geschichte durchziehende Verquickung von kriegerischer mit religiöser Sprache erklären lässt. Die Schlachtrufe der Kreuzzüge zählen dazu ebenso wie das „Glory, Glory, Halleluja!“ aus der Hymne der Nordstaaten-Union im amerikanischen Bürgerkrieg. Im Deutschen, wo der lateinische Stamm „Glorie“ abgesehen von kirchlichen Übersetzungen quasi ausgestorben ist, lässt sich eine Trennung der Bedeutungskontexte hingegen gut ausmachen: die gängigen Synonyme „Ruhm“ und „Ehre“ waren im Lateinischen noch tatsächlich synonym und konnten damit beliebig untereinander ausgetauscht werden. Im Deutschen aber rechnen wir „Ruhm“ heute vor allem denen zu, die ihn sich durch Taten verdient haben (Seien es Militärs oder plastische Künstler), während „Ehre“ eher in sprachlichen Konstrukten der Höflichkeits- und Hochkultur vorkommt, etwa in ‚Ehre sei Gott in der Höhe‘ oder ‚Es ist mir eine Ehre‘.
Sehen wir uns das Wort also nun endlich im Detail an. Das Oxford English Dictionary datiert das erste belegte Vorkommen von glory in der Bedeutung „honour“, ‚Ruhm, Ehre‘ auf ungefähr 1340.2

c1340 R. Rolle Pricke of Conscience Honours nuryshes, als men may se, Vayn glory, vauntyng, and vanite.

Ähnliche Verwendungen („praise“, „fame or ambition“3) und auch die explizite Anrufung von Gott4 tauchen belegt um 1380 herum auf. Diese vierzig Jahre Unterschied im Auftauchen beweisen jedoch keine Entwicklung, denn wir dürfen nicht vergessen, dass es hier nur um belegte Quellen geht – die eigentliche Verwendung aller Formen des Wortes ist mit ziemlicher Sicherheit noch ein Stück älter. Diese Vermutung können wir mit historischem Wissen untermauern: 1066 eroberten die Normannen, also Franzosen, England und etablierten dabei ihren eigenen Adel als Herrscherklasse auf der Insel. Dieser sprach natürlich altfranzösisch, während die ansässigen Engländer ausschließlich mittelenglisch beherrschten. Kein Wunder also, dass die französischen Wörter, die in die englische Sprache überschwappten, solche der Hochkultur waren – etwa kulinarische. Deswegen heißt das Schwein im Stall ‘pig’, ein Wort germanischen Ursprungs, während das Schweinefleisch auf dem Teller ‘pork’ aus dem Französischen stammt. Ähnliches geschah auch religiös, denn die hochfrommen Normannen brachten jede Menge christlicher Worte mit sich, und die stammten eben hauptsächlich sehr direkt aus dem Lateinischen. Die meisten Worte lateinischer Wurzel, die wir heute im Englischen kennen, sind über diesen Umweg auf die britannischen Inseln gelangt. Und glory ist eines davon.
Wir wissen nun also, dass das wort glory (über die altfranzösische Form ‚glorie‘) irgendwann zwischen 1066 und 1340 ins Englische aufgenommen wurde. Dazu können wir basierend auf unserem Geschichtswissen davon ausgehen, dass es über den Kirchenkontext entliehen wurde.

Im Mittelalterbild verankert

Davon ausgehend wenden wir uns den Videospielen zu. Nun verstehen wir als Spieler mit Englischkenntnissen sofort, worauf die Phrasen in den beiden Spielen abzielen. Der Glory Kill bringt Ruhm, denn er ist hart erkämpft und stellt eine besonders außerordentliche Leistung dar, selbst für einen Soldaten. Glory to Mankind soll die Menschheit ehren, zu deren Zweck der Krieg der Androiden geführt wird. (Seht ihr, wie ich die oben angesprochenen Konzepte im Deutschen einwebe?)
Es muss also einen weiteren Shift gegeben haben, wenn wir uns nicht wundern, wo denn Gott in DOOM steckt. Einen Hinweis, wo zu suchen ist, liefert uns sogar eines der oben genannten ersten Spiele mit Glory im Titel: Quest for Glory. In den von mittelalterlichen Gesellschaften inspirierten und unterschiedlichen Mythologien durchzogenen Spielwelten scheint sich die Suche nach Glorie nahtlos einzufügen. Der Grund ist natürlich das Stichwort ‚Mittelalter‘: Das gängige Bild des minnesingenden Ritters auf Wanderfahrt zum Ruhm ist in der westlichen Welt tief verwurzelt. Wie brauchbar dieses Image ist, brauchen wir hier gar nicht zu diskutieren. In diesem Fall ist es unerheblich, denn wir verbinden diesen Stereotyp durch Märchen, Filme und andere Medien schlichtweg mit dem Mittelalter. Denkt nur an das Blood & Wine-Addon von The Witcher 3: Wild Hunt; ganz Touissant entspringt genau jeder romantisierten Vorstellung vom Ritterstand! Oft fällt im Zusammenhang mit dem Stichwort ‚Mittelalter‘ auch direkt der Begriff ‚Kreuzzüge‘, und in deren natürlicher Vermengung von Kampf und Religion liegt die Lösung unserer Frage geradezu verdächtig scheineindeutig offen. Die Vermutung liegt also nahe, dass das Mittelalter oder die von uns damit assoziierten Bilder einen Einfluss auf das Verständnis von glory hatten. Und da ich kein Experte in Geschichte bin, diese Vermutung also nicht mit meinem eigenen Fachwissen belegen kann, habe ich mir Hilfe von einer Historikerin geholt. Aurelia Brandenburg von Geekgeflüster studiert Geschichte und hat sich dabei auf das europäische Mittelalter spezialisiert. Liebenswürdigerweise hat sie mir auf mein Nachfragen hin erklärt, dass die Kreuzzüge gar kein so falscher Ansatzpunkt sein könnten. Insbesondere die christlichen Ritterorden sind bekannt als Verbreiter von sprachlichen und kulturellen Konzepten. Zwar muss man bei den Ritterorden definitiv Abstand nehmen von der oft herangeführten Idee der glorifizierten kämpfenden Mönche, doch zumindest für ein laienhaftes Verständnis des Unterschieds zu säkularen adligen oder niederaligen Rittern und konventionellen Mönchen reicht der Vergleich durchaus. So fand etwa der Begriff assassin bzw assassino für ‚Attentäter‘ den Weg ins Englische, Französische und Italienische, weil Rückkehrer aus dem heiligen Krieg, darunter auch und vor allem die gesellschaftlich hoch angesehenen Ordensritter, sie aus dem arabisch-muslimischen Raum mit nach Hause brachten. Ohne entsprechende Quellen lässt es sich natürlich nicht mir Sicherheit sagen, aber eine zunächst einmal plausible Vermutung könnte lauten, dass speziell der Begriff glory seinen Bedeutungswandel über den Templerorden erfahren haben könnte. Zum einen war der Templerorden der einzige nicht deutsche, sondern französische Orden, was die Nutzung von Worten mit romanischen Wurzeln stark begünstigt hätte. Zum anderen waren die anderen Orden, etwa der Deutsche, zunächst Hospitaliterorden, während die Arme Ritterschaft Christi und des salomonischen Tempels zu Jerusalem direkt als Ritterorden gegründet worden war, die Verquickung von Kriegsführung und religiösem Zweck also eine tief verwurzelte Maxime der Gruppierung sein musste. Auch geographisch spricht einiges für die französischen Tempelritter, beschäftigen wir uns hier doch mit einem Leihphänomen von der französischen in die englische Sprache. Es liegt nahe, dass die Ritterorden auch über ihr eigenes Hoheitsgebiet hinaus Einfluss auf Kultur und Sprache haben konnten, da sie über mehrere Jahrzehnte hinweg in engem Kontakt mit Kreuzfahrern aus diversen Ländern standen.

Where is your god now?

Da wir nun eine hinreichend plausible Erklärung haben, wie ein solcher Bedeutungswandel vonstatten gegangen sein könnte (erneut – das sind alles nur Vermutungen, wenn auch begründete!), können wir uns schließlich noch einmal den Spielen zuwenden. Wenn ich wollte könnte ich an dieser Stelle mit dem Vermerk auf den Übergang ins militärische Bedeutungsfeld auf die kämpferischen Grundmechaniken von NieR: Automata und DOOM hinweisen und den Beitrag damit befriedigend beenden. Wir können aber durchaus auch noch einen Schritt weitergehen – oder sollte ich sagen, einen Schritt weniger nehmen. Denn versteifen wir uns auf die militärisch-religiöse Verknüpfung von glory als untrennbares Konstrukt, wie es ebenfalls sehr gut übertragen hätte werden können, wird uns in beiden Spielen noch eine ganz eigene Ebene offenbart. Denn ich behaupte: Die religiöse Prägung beider Spiele ist groß und das Auftauchen von glory in beiderlei Kontext eine ganz bewusste Maßnahme.

Konzeptzeichnung des Startraums von DOOM (2016) mit Altar. Collin Geller, id Software.
Konzeptzeichnung des Startraums von DOOM (2016) mit Altar. Collin Geller, id Software.

Der Prolog von DOOM sagt bereits eine ganze Menge über die Welt aus, in der das Spiel stattfindet. Denn schon aus den ersten spielbaren Sekunden lassen sich Rückschlüsse ziehen auf eine der Religionen des DOOM-Universums! Der DOOM Marine, Protagonist nicht nur der Neuauflage von 2016, sondern auch der ersten beiden Doom-Spiele, erwacht gebettet auf einen Altar und umringt von Kerzen im Heiligtum seines offenbar ganz eigenen Kultes. An der Wand hängt, versiegelt wie eine Reliquie, sein Kampfanzug. Der Altar und der Raum selbst sind mit Symbolen geschmückt, die zwar scheinbar von Menschenhand produziert, aber doch ganz klar dämonischen Kulten entlehnt sind. Lediglich mit dem Wissen über die Erfolgsgeschichte des DOOM Marine bewaffnet wird uns klar: Der Marine ist der Messias dieses Kultes, angebetet für den Sieg über die Kräfte der Hölle, die subsequent das Abzapfen der Höllenenergie auf dem Mars ermöglichten und damit den industriellen Aufstieg der Menschheit ankurbelten. Ob der DOOM Marine-Kult auch außerhalb des Spielgebiets auf der Marsoberfläche vergöttert wird, wissen wir nicht; wahrscheinlich ist aber, dass er auch auf der Erde als zentrale historische Figur anerkannt sein muss, da seine Taten offensichtlich direkt zur Entdeckung und Nutzbarmachung neuer Energiequellen führten.
Die als Geheimnis versteckten Actionfiguren seiner selbst findet der Marine spitze. DOOM (2016), Bethesda.
Die als Geheimnis versteckten Actionfiguren seiner selbst findet der Marine spitze. DOOM (2016), Bethesda.
Und seine Position als Heilsbringer einer auch noch so kleinen Religion ist genug für eine religiöse Durchdringung all seiner Handlungen. Nicht, dass der Marine die Rolle aktiv annimmt. Im Gegenteil, sabotiert er doch aktiv die Höllen-Industrie der Menschen und zerstört so direkt die heiligen Artefakte dieser um ihn gebildeten Religion von Technokraten. Da besagter Kult aber den Erfolgen des Marine huldigt, ergibt sich daraus also auch, dass sie seine Methoden anbeten. Sicherlich mit der Grund dafür, dass der Kampfanzug wie eine Reliquie aufgebahrt wird ist, dass er überhaupt erst den aktiven Kampf gegen die Dämonen ermöglicht. Daraus folgt, dass die kriegerischen Handlungen des Marine heilige Akte darstellen, auch gegen seinen expliziten Willen. Auch und vor allem die den Gewaltgrad krönenden Glory Kills. Hätte man diese im militärischen Kontext bisher also mit “Tötung für Ruhm” übersetzen müssen, können wir nun aus dem Kontext der Verehrung auch die “Tötung für Ehre” ins Auge nehmen. “Ehre”, derselben Logik folgend wie die, die Gott in der Höhe sei. Ja, ich vergleiche gerade das Ausreißen von Dämonenarmen mit dem Empfangen der Kommunion, denn das gibt DOOM her. Umso sinniger wird das, weil der DOOM Marine aus der Charakterisierung, die er im Spiel erhält, kaum etwas mit Ruhm anzufangen weiß. Auf die Mythisierung seiner vergangenen Heldentaten und seiner scheinbaren Unzerstörbarkeit gibt er eben herzlich wenig. Lediglich an seiner eigenen Merchandisierung scheint er Spaß zu finden.
Das alternative Cover von DOOM, inspiriert vom Original 1993, stellt den Marine wie eine Ikonie in den Bildmittelpunkt. Bethesda.
Das alternative Cover von DOOM, inspiriert vom Original 1993, stellt den Marine wie eine Ikone in den Bildmittelpunkt. Bethesda.

Die religiöse Durchdringung von NieR: Automata ist zwar nicht weniger offensichtlich, aber doch ein ganzes Stück tiefgreifender angelegt. Denn in NieR werden nicht die Spielfiguren angebetet, sondern sie selbst sind Mitglieder des Kultes, der die Menschheit als gottgleiche Erschaffer anbetet. Ein Kult, der sich niemals selbst als solcher bezeichnen würde. Die Androiden-Armee YoRha, der 2B und 9S angehören, kämpft als Eliteeinheit der auf den Mond verbannten Menschen auf der Erde gegen die Maschinen-Invasoren. Das Ziel der Rückgewinnung für die Menschheit steht dabei immer an erster Stelle: Jede am Wegesrand angenommene Mission wird von 2B auf den Sinngehalt für die menschlichen Herrscher geprüft. YoRha ist als militärischer Orden zutiefst indoktriniert. Die zu diesem Zweck voraufgezeichneten Aufnahmen des ‘Rats der Menschheit’ erreichen die Androiden nicht nur regelmäßig per E-Mail, sondern auch als nicht abbrechbare Durchsagen auf der Erdoberfläche. Und jeder Besuch auf dem Bunker, der als Hauptquartier von YoRha dienenden Raumstation, endet mit dem Gruß an die fernen Gottheiten: Glory to Mankind, komplett mit Faust aufs Herz-Geste und strammer Pose. Sinn und Zweck des ganzen Krieges: Die Menschheit an ihren angestammten Platz auf der Erde zurück zu bringen. Die Androiden sind sich ihrer Werkzeugstellung bewusst und nehmen sie an. Die Menschheit schwebt ununterbrochen als Erschaffer über ihrer Existenz, und nimmt damit die prototypische Position der kreationistischen Gottheit ein. Umso schwerer wiegt diese Position, als im späteren Verlauf des Spiels offenbart wird, dass die Menschheit längst ausgelöscht ist. Auf dem Mond steht nicht mehr als ein Radio, dass regelmäßige Aufzeichnungen abspult. YoRha selbst wurde einzig aus dem Grund heraus erschaffen, um den verbleibenden Androiden einen Sinn zu verpassen. Die Kirche existiert für die Mitglieder, nicht für den scheinbaren, doch nicht existenten Gott: Eine zahme Metapher auf die heute übliche Auffassung von Kirche und Religion. Weniger zahm jedoch, wenn das fest in YoRha eingeplante Notfallprotokoll auslöst und alle Androiden, selbst die eingeweihten Konspiratoren auslöscht.
"We shall become as gods." Die religiöse Durchdringung des Spiels ist schwer zu übersehen: Auch die Maschinen entwickeln Kulte. NieR: Automata, Square Enix.
„We shall become as gods.“ Die religiöse Durchdringung des Spiels ist schwer zu übersehen: Auch die Maschinen entwickeln Kulte. NieR: Automata, Square Enix.

Der Trigger für das Protokoll ist 9S, der nach immer wieder und wieder gelöschten Erinnerungen schlussendlich doch die Wahrheit herausfindet. Hier versagt das vordergründig gutmütige, doch einzig auf Selbstbewahrung der eigenen Legende ausgerichtete Konzept YoRhas vollkommen: Obwohl sich 9S dazu entschließt, die Nichtexistenz der Menschheit für sich zu behalten, klassifiziert der Bunker Projekt YoRha als gescheitert und beginnt die Auslöschung. Anstatt auf die Loyalität seiner schlausten Mitglieder zu bauen oder den Androiden ein Leben ohne den vermeintlich sinngebenden Kult zuzumuten, löscht die Kirchen-KI ihre Schäfchen aus. Losgelöst von der Existenz oder dem eigentlichen Willen eines vermeintlich benevolenten Gottes versagt in NieR: Automata die Kirchenstruktur. Ehre der Menschheit – und niemandem sonst.
Die Kreuzzugsmetapher vom kämpfenden Kult für den Einzug der wahren Herrscher ins einstige gelobte Land ist dabei offensichtlich. Mit dem Wegfall der Menschheit wandeln sich die allgegenwärtigen Kampfhandlungen der spielbaren Androiden daher von der Kreuzfahrersymbolik hin zur Aufklärung – zu unterschiedlichen Graden. 9S verkraftet den Verlust seines Zwecks zwar gerade so, bricht jedoch dann, als 2B dem Bunkerprotokoll zum Opfer fällt. Sogleich schafft er sich seinen eigenen, neuen Gott: Rache. An ihrem Ende steht für ihn der Tod. 2B, die selbst nie von der YoRha-Verschwörung erfährt, bevor sie ihr zum Opfer fällt, findet ihre Erlösung ebenfalls im Sterben: Unheilbar vom Bunker-Virus infiziert wird sie von A2, ihrem vom YoRha losgelösten Vorgängermodell erlöst und geht anschließend als Erinnerung in deren Speicher auf. A2 ist die einzige spielbare Figur in NieR: Automata, die dem Tod entgehen kann, weil sie ihren Gott schon lange vor dem Exodus aufgegeben hat. Und doch gibt sie zum Schluss ihr Leben, um 9S zu retten, an den sie von 2Bs Erinnerungen induzierte Gefühle binden. In den letzten Momenten von NieR: Automata wandelt sich Glory to Mankind in Glory to Humanity; Ehre der Menschlichkeit. Was als Kreuzzug begann und als aufklärerische Sinnkrise seinen Höhepunkt erreichte, endet in Mitgefühl: Der menschlichsten Regung, zu der die Androiden Niers im Stande sind. Die Kampfhandlungen rücken in den Hintergrund und die religiöse Komponente dient plötzlich als Katalysator für Zwischenmenschlichkeit. Allein im Verlauf von NieR: Automata macht glory eine ganz ähnliche Wandlung durch wie in unserem zuvor aufgestellten vermeintlichen historischen Kontext.

Behandelte Spiele:
DOOM. 2016. Entwickler: id Software. Publisher: Bethesda. PC/PS4/XBox One/Switch
NieR: Automata. Entwickler: Platinum Games. Publisher: Square Enix. PC/PS4/XBox One

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1. Pons Online s.v. glōria, n. 1

2. OED s.v. glory, n. 1a

3. OED s.v. glory, n. 4b, , OED s.v. glory, n. 1b

4. OED s.v. glory, n. 2b, 5

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