„To count one’s beads“ – Personas göttliche Perlen


Ein wenig Sprachgeschichte hat noch niemandem geschadet.

Die jüngeren Titel der Shin Megami Tensei: Persona-Reihe haben einen Perlenfetisch, so scheint es mir. Die wichtigsten Heilgegenstände und einige Ausrüstungsteile, die ich finde, sind Perlen diverser Art: Beads, Revival Beads, Bead Rings. Alle haben sie Effekte, die in anderen Spielen oft göttlichen oder mystischen Wesen zugesprochen wird: Die Revival Bead etwa entspricht der Final Fantasy-typischen Phönixfeder, und die Bead heilt einen Charakter wie die Gebet-Fähigkeiten in Golden Sun.

Bei dieser Verknüpfung von Heilkraft, Göttlichkeit und Segen mit Perlen haben sich die Entwickler bei Atlus cleverer angestellt, als es zunächst den Anschein hat. Der Begriff bead im Englischen hat nämlich eine interessante Geschichte hinter sich, die sich genau aus diesem Konzept speist.

Eigentlich hieß bead nämlich mal das gleiche wie prayer – Gebet. Die Verwandtschaft vom deutschen Wort zum englischen bead sieht man heute noch. Der Rosenkranz, eine Kette mit vielen kleinen Perlen, anhand derer man seine Gebete zählt, heißt bead chain – was früher eben schlicht ‚Gebetskette‘ hieß. Da man mit den Gebeten auf dem Rosenkranz gleichzeitig auch die Perlen zählte, wurde der Ausspruch to count one’s beads, der eigentlich ‚einen Rosenkranz beten‘ bedeutet, irgendwann synonym mit jedem Akt des Perlenzählens, ob am Rosenkranz oder nicht. Irgendwann löste sich die bead aus dem Sprichwort und nahm auch alleingestellt die Bedeutung ‚Perle‘ an. Linguistisch gesehen also das Gegenteil einer Metapher – hier wird kein figuratives Bild genutzt, um einen Vergleich zu ziehen, sondern die Metapher wandelt sich mit der Zeit in eine wörtliche Bedeutung.

Atlus hat sich also clever bedient, um das Bedeutungsfeld der Heilung – das popkulturell oft mit dem der Heiligkeit in Verbindung gebracht wird – in die Namen ihrer Gegenstände zu integrieren. Chapeau! Und falls ihr böse darüber seid, dass die Persona-Titel grundsätzlich ohne deutsche Übersetzung veröffentlicht werden: Tröstet euch doch mit dem Gedanken, dass solche Spielereien in Übersetzungen vermutlich einfach verloren gehen würden.

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3 Kommentare

  1. Interessant! Was mich noch mehr interessiert – soweit meine unglaublich beschränkten Japanischkenntnisse ausreichen scheinen die Übersetzungen sehr frei zu sein – und eine Kontinuität seit Persona 3! In Persona 2: Eternal Punishment (dem ersten Persona im Westen) hieß die bead nämlich noch gem (im Original 宝玉), die revival bead hieß Ball of Returning (地返しの玉). Gerade die erste Übersetzung der Revival Bead scheint näher am Original zu sein, aber das kann ich nicht sagen (und ich weiß auch nicht, ob da auf irgendein buddhistisches Ritual Bezug genommen wird).

    Zumindest scheint die Übersetzung irgendwann mit bead eine Konnotation hinzugefügt zu haben, die so im Japanischen nicht ist. Da fällt mir auch nichts Passendes auf Deutsch ein.

    Gefällt 1 Person

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